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Farbkonversionsfilter

Filterbezeichnungen
Etwas Physik: Farbtemperatur, Mired, Dekamired
Konversionsfilter für Farbfotografie
Konversionsfilter für Schwarz/Weiß

Filterbezeichnungen

Die Typenbezeichnungen für Konversionsfilter können etwas verwirrend sein. Auf der einen Seite liest man Bezeichnungen wie "KB 15" oder "KR 3", dann wieder "81 A" oder auch "Gelb, Typ 8". Hierbei unterscheidet man nun zwei Bezeichnungsarten:

Die sog. Wratten-Bezeichnungen bestehen aus einer ein-bis zweistelligen Nummer, teilweise gefolgt von einem Buchstaben, also z.B. "81 A". Dieses vollkommen willkürliche Bezeichnungssystem wurde vor über 100 Jahren von einem gewissen Frederick Charles Luther Wratten (1840-1926) entwickelt. Dessen Firma wurde irgendwann von Kodak-Eastman aufgekauft, wodurch die Bezeichnungen weite Verbreitung fanden.

Auf der anderen Seite stehen die Farbkonversionsfilter vom Typ "KR" ("Korrektur rot") und KB ("Korektur blau"). Diese Bezeichnungen sind deutlich systematischer; zur Erklärung ist aber ein bißchen Physik erforderlich:

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Etwas Physik: Farbtemperatur, Mired, Dekamired

Licht kann unterschiedliche Farbtemperaturen haben. Jeder weiß, daß das Licht am Mittag deutlich "weißer" (eigentlich: "blauer") erscheint als das "goldene" Spätnachmittagslicht. Diese subjektive Empfinden läßt sich physikalisch durch die sogenannte Farbtemperatur ausdrücken, die in der Einheit "Kelvin (K)" gemessen wird (Achtung: nur "Kelvin", nicht "Grad Kelvin"!).

Entgegen der Anschauung haben dabei "wärmere" Lichtfarben eine niedrigere Farbtemperatur als "kältere". Dies stammt daher, daß die Farbtemperatur aus dem Spektrum eines sogenannten "schwarzen Körpers" hergeleitet ist. Anschaulich kann man sich das so vorstellen, daß ein Stück Eisen erhitzt wird. Zunächst glüht es dunkelrot (bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen), erhöht man dann die Hitze, verfärbt sich das Eisen weiter über Gelb nach Orange bis hin zu violett und blau (theoretisch - praktisch ist das Metall vorher verdampft).

Um diese Klippe zu umschiffen, hat man den sogenannten Mired-Wert eingeführt ("micro reciprocal degree"). Er ist definiert als

Mired = 1.000.000 / Farbtemperatur in Kelvin

Auch dieser Wert ist nicht so handlich, daher wird davon noch der sogenannte Dekamired-Wert abgeleitet:

Dekamired = Mired / 10

Einige Beispiele:

 FarbtemperaturMiredDekamired
blauer Himmel12.000 K838
mittleres Tageslicht5.600 K17918
Glühlampe3.200 K31331
Kerzenlicht1.500 K66767

Ein niedrigerer Dekamired-Wert entspricht somit einer "kälteren" Farbe.

Nun ist "normaler" Farbfilm für Tageslicht, d.h. für eine Farbtemperatur von ca. 5.600 K sensibilisiert. Weicht die Farbe des vorhandenen Lichts davon ab, so macht sich dies durch einen Blaustich (höhere Lichttemperatur - niedrigerer Dekamired-Wert) oder durch einen Rot-/Gelbstich (niedrigere Lichttemperatur - höherer Dekamired-Wert) bemerkbar. Gleiches gilt bei Verwendung eines Kunstlichtfilms bei Tageslicht.

Diesen Unterschied zwischen der tatsächlichen Farbtemperatur und der des Films kann man nun mit einem Farbkonversionsfilter ausgleichen. Dabei gilt:

Dekamired(Filter) = Dekamired(Licht) - Dekamired(Film)

Ist dieser Wert negativ, so benötigen wir ein rötliches Filter (KR), ist er positiv, so muß ein bläuliches Filter (KB) herhalten.

Beispiel: stammt das Licht also von einer Halogenlampe (31 Dekamired), und wir benutzen einen normalen Tageslichtfilm (18 Dekamired), so benötigen wir eine Korrektur um 31-18=+13 Dekamired, also ein Filter "KB 13". (Sowas gibt's nicht, also nehmen wir ein KB 12 und schrauben evtl. noch ein KB 1,5 davor - diese Filter sind additiv bzgl. des Dekamired-Wertes).

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Konversionsfilter für Farbfotografie

Die folgenden Filter sind nur für Farbfotografie interessant. Wenn nichts anderes angegeben, so gilt die Verwendung für Tageslichtfilme.

Skylight-Filter (1A - KR 1,5)

Schwach rosa; verhindert Blaustich bei offenem Himmel, an der See oder im Hochgebirge. Wirkung bestenfalls auf Diafilm erkennbar.

81A, 81B, 81C - KR 3

Diese leicht rötlich/bräunlichen Filter unterscheiden sich in der Wratten-Ausprägung nur minimal (ca. 100 K). Sie werden für Portrait und Akt benutzt, um angenehme Hauttöne zu erzeugen.

81EF - KR 6

KR 9

85 - KR 12

85B - KR 15

Diese rotbraunen Filter dienen zur Kompensation bei Verwendung von Kunstlichtfilm bei Tageslicht.

82A - KB 1,5

82B - KB 3

82C - KB 6

Leicht bläulich gefärbt; Kompensation von sehr warmen Lichtfarben, z.B. früh morgens oder spät nachmittags; bewirkt dann natürliche Hauttonwiedergabe.

80C - KB 9

80B - KB 12

80A - KB 15

Stark blaugefärbt; zur Verwendung von Tageslichtfilmen bei Kunstlicht (keine Leuchtstoffröhren!)

FL-D

Bräunlich; zur Verwendung von Tageslichtfilm unter Leuchtstoff- (Floureszenz-) Röhren mit tageslichtähnlichen Character (D=daylight).

FL-W

Magentafarben; zur Verwendung von Tageslichtfilm unter Leuchtstoffröhren mit weiß-warmen Licht oder bei Mischlicht.

Übersicht

Hier nochmal eine Übersicht über sämtliche Farbkonversionsfilter mit Verlängerungsfaktoren bzw. Blendenkorrekturwerten:

Wratten Verl.-fakt.Blende
1AKR 1,51,0x -0,0
81AKR 3 1,2x -0,3
81B 1,2x -0,3
81C 1,2x -0,3
81EFKR 6 1,5x -0,7
KR 9 1,8x -0,9
85C 1,9x -1,0
85KR 12 2,0x -1,0
85BKR 15 2,0x -1,0
82AKB 1,51,0x -0,0
82BKB 3 1,5x -0,7
82CKB 6 2,0x -1,0
80CKB 9 2,5x -1,3
80BKB 12 3,0x -1,7
80AKB 15 4,0x -2,0
KB 20 5,0x -2,3
FL-D 2,0x -1,0
FL-W 4,0x -2,0

Hinweis: auch spezielle astronomische Filter sowie Infrarotfilter tragen spezielle Wratten-Bezeichnungen.

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Konversionsfilter für Schwarz/Weiß

Während die Konversionsfilter für Farbfilme den Zweck verfolgen, die Farbe des vorhandenen Lichts an die Sensibilisierung des Films anzupassen, geht es bei den Schwarz-Weiß-Filtern um etwas ganz anderes. Hier kann es bei der Aufnahme ohne Filter dazu kommen, daß zwei unterschiedliche Farben mit gleicher Helligkeit im Bild durch den gleichen Grauton dargestellt werden und sich nicht mehr unterscheiden.

Bei der Verwendung von S/W-Filtern gilt der Grundsatz: Ein Filter hellt Farben in seinem eigenen Farbton auf, Farben in der Komplementärfarbe des Filters werden abgedunkelt.

Auch bei diesen Filtern werden Wratten-Bezeichnungen verwendet, meist ergänzt um die Angabe der Farbe. Die Firma Hoya benutzt ein eigenes System von Bezeichnungen, deren Ursprung ich leider noch nicht herausfinden konnte. Diese Angaben stehen in Klammern.

5 Gelb (K2)

Dieses Filter dunkelt das Himmelsblau ganz leicht ab - die Wirkung ist aber sehr schwach.

8 Gelb mittel

Etwas stärkere Wirkung als Gelb 5.

12 Gelb mitteldunkel

Nochmal etwas stärker; die Wirkung dieses Filters ist auch erkennbar. Leichter Dunst wird gemildert.

15 Gelb dunkel

Selten zu finden, nochmals gesteigerte Wirkung.

11 Gelb-Grün (X0)

Das Standardfilter für Landschaftsaufnahmen mit grünen Pflanzen, Gras usw.

13 Grün (X1)

Hellt Laubgrün deutlich auf; bewirkt "kernige" Hauttöne bei Portraits

38 Blau

Ist mir bis heute nicht ersichtlich, wofür das gut sein soll. Man kann es tatsächlich kaufen, allerdings sind die meisten panchromatischen Filme sowieso übermäßig blauempfindlich, so daß Blau eigentlich nicht noch aufgehellt werden müßte.

22 Orange (G)

Bewirkt deutliche Abdunkelung des blauen Himmels. ohne das Pflanzengrün zu stark abzudunkeln; glättet Hautunreinheiten bei Portraits; recht starke Dunstdurchdringung, vor allem bei Tele-Aufnahmen

25 Rot hell (25A)

Erzeugt Mondscheinstimmung (sehr dunkler Himmel), Pflanzengrün wird fast schwarz; erzeugt sehr glatte, fast schon maskenhafte Hauttöne. Kann schon mit Infrarot- Filmen eingesetzt werden.

29 Rot dunkel

Noch dramatischere Wirkung; deutlicher Wood-Effekt bei IR-Aufnahmen.

Übersicht

Hier nochmal eine Übersicht über sämtliche Farbkfilter mit Verlängerungsfaktoren bzw. Blendenkorrekturwerten:

Wratten  Verl.-fakt. Blende
5gelb hell 1,5x - 2,0x -0,5 bis -1,0
8gelb mittel 2,5x - 3,0x -1,3 bis -1,5
12gelb mitteldunkel3,0x - 4,0x -1,5 bis -2,0
15gelb dunkel 4,0x -2,0
11gelb-grün 2,0x -1,0
13grün 3,0x -1,5
38blau 2,0x -1,0
22orange 4,0x -2,0
24rot hell 8,0x -3,0
29rot dunkel 8,0x - 12,0x-3,0 bis -4,0

Quellen: Heliopan, Hoya, Schneider-Kreuznach

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Artikelhistorie

2005-10-17
Erste Fassung