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Der "Dry Down"-Effekt

Was ist das?

Ist Ihnen das auch schon passiert? Sie haben einen S/W-Print hergestellt, holen ihn patschnass aus der Schlußwässerung und sind mit sich zufrieden. Die Schatten sind richtig satt und haben tolle Zeichnung, die Lichter sind schön luftig und zeigen feinste Details. Nach dem Trocknen aber das böse Erwachen: die Schatten sind zugelaufen, alle Details sind verschwunden, die Lichter sind matschig grau.

Die Ursache dieses unerfreulichen Verhaltens ist der "Dry Down"-Effekt (DDE). Fast alle Papiere dunkeln beim Trocknen nach, PE-Papiere im allgemeinen weniger als Baryt.

Was kann man dagegen tun?

Die sicherste Methode ist es, die Probestreifen zu trocknen und nicht im nassen Zustand zu beurteilen. Leider ist dies aber gerade bei Barytpapieren sehr zeitaufwendig und daher in den meisten Fällen unpraktikabel, da die Probestreifen dann genauso gewässert und getrocknet werden müssen wie der finale Print.

Wenn man also weiterhin mit nassen Probestreifen arbeiten möchte, muß man die Nachdunkelung bereits beim Vergrößern berücksichtigen und somit konsequenterweise die Belichtungszeit verkürzen. Wie man diese Verkürzung exakt herausbekommt und nicht auf eine Pi-mal-Daumen-Schätzung angewiesen ist, wird nun beschrieben.

Der Test

Der Test muß logischerweise für jede verwendete Papiersorte durchgeführt werden, da die einzelnen Produkte ein unterschiedliches Verhalten zeigen.

Wir gehen wie folgt vor:

  1. Anfertiges eines Prints von einem guten Negativ mit vollem Tonumfang, d.h. Papierweiß und tiefstes Schwarz sollten enthalten sein. Ebenso sollten Schatten und Lichter Detailzeichnung haben. Beurteilen Sie den Print nass. Wenn Sie zufrieden sind, legen Sie den Print in eine wassergefüllt Schale und lassen Sie ihn dort. Passen Sie auf, daß er nicht trockenfällt. Dies ist Bild 1.
  2. Fertigen Sie einen vollkommen identischen Print an, aber trocknen Sie ihn auf Ihre übliche Methode. Dies ist Bild 2.
  3. Fertigen Sie 5 weitere Prints an, bei denen Sie die Belichtungszeit gegenüber Bild 2 um 8%, 9%, 10%, 11% und 12% verkürzen. Verarbeiten und trocknen Sie die Prints genauso wie bei Bild 2. Dies sind Bilder 3-7. Notieren Sie die Verkürzung (oder die Nummer) auf der Rückseite der Bilder.
  4. Setzen Sie sich an einen gut beleuchteten Tisch und vergleichen Sie Bild 1 (immer noch in der wassergefüllten Schale) und Bild 2. Das trockene Bild 2 sollte dunkler erscheinen als das nasse Bild 1. Wenn Sie absolut keinen Unterschied ausmachen können, dann haben Sie eine Papiersorte gefunden, die keinen DDE zeigt. Seien Sie glücklich und teilen mir bitte die Papiersorte mit - ich habe bisher noch keine gefunden.
  5. Nun vergleichen Sie die trockenen Bilder 3-7 mit dem nassen Bild 1. Suchen Sie dasjenige heraus, das dem nassen Print von der Helligkeit her am nächsten kommt. Nehmen wir an, das sei Bild 6, bei welchem die Belichtungszeit um 11% verkürzt wurde. Sie haben nun Ihren Dry-Down-Faktor gefunden - er beträgt 11% oder 0,89. Notieren Sie ihn auf der Papierschachtel.
  6. In Zukunft machen Sie nun Ihre Probestreifen wie gewohnt und beurteilen diese im nassen Zustand. Nur für die endgültige Belichtung verkürzen Sie die Belichtungszeit um ihren papierabhängigen Dry Down-Faktor. Um bei oben genanntem Beispiel zu bleiben: sollten Sie mit den Probestreifen eine Belichtungszeit von 20 Sekunden festgelegt haben, so kürzen Sie diese für den endgültigen Print um 11%, d.h. um 2,2 Sekunden. Die Belichtungszeit unter Berücksichtigung des DDE liegt also bei 17,8 Sekunden
  7. Wundern Sie sich nicht, wenn die Schatten nicht dunkel genug sind oder die Lichter noch keine Zeichnung aufweisen - diese kommen beim Trocknen durch den DDE zutage.
  8. Wenn Bild 3 (8% Verkürzung) schon zu hell im Vergleich mit dem nassen Bild 1 ist, so müssen Sie einen zusätzlichen Test machen, bei dem Sie die Belichtung nur um 7%, 6%, 5%,... verkürzen.
    Ist umgekehrt Bild 7 (12% Verkürzung) immer noch zu dunkel, dann müssen Sie einen zusätzlichen Test machen, bei dem Sie die Belichtungszeit sogar um 13%, 14%, 15%,... verkürzen.
  9. Wenn Sie Ihre Bilder standardmäßig selentonen, so müssen Sie dies natürlich im Test berücksichtigen - durch die Tonung ändern sich der DDE nochmals.
  10. Wer es nicht ganz so genau nimmt, kann erst mal pauschal seine Belichtungszeiten um 10% verkürzen. Feintuning ist immer noch möglich.
  11. Wer es hingegen sehr genau nimmt, muß den Test auch für jeden verwendeten Papierentwickler durchführen. Der Dry Down-Faktor gilt dann nur noch für jeweils eine Papier-Entwickler-Kombination. Der Effekt verschiedener Entwickler auf den DDE ist aber minimal und meiner Meinung nach vernachlässigbar.

Leider macht eine Demonstration des Effekts mit Bildern im Internet keine Sinn. Die Unterschiede sind sehr subtil und lassen sich durch einen Scan mit 256 Graustufen nicht überzeugend darstellen.

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Artikelhistorie

2005-05-21
Erste Fassung