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Kalte und warme Töne

Schwarzweiß ist nicht gleich Schwarzweiß - auch monochrome Bilder können von kühlem Blauschwarz über neutrales "echtes" Schwarz bis hin zu warmen Oliv- und Braunschwarz viele verschiedene Bildtöne annehmen.

Hierbei sind nicht Tonungen gemeint, sondern einzig die Eigenschaften des verwendeten Papiers und Entwicklers, gegebenenfalls unterstüzt durch eine Selentonung.

Um einen kleinen Überblick über die erzielbaren Resultate zu geben, habe ich hier eine kleine Testreihe gestartet. Die verwendeten Materialien sind:

Papiere:
- Classic Arts Polywarmtone PE
- Classic Arts Polykalttone PE

Positiventwickler:
- Agfa Neutol WA, Verdünnung 1+7
- Moersch SE6 Blue, Verdünnung 1+9

Selentoner:
- Amaloco Seleniton, Verdünnung 1+9

Entwickelt wurde jeweils 2 Minuten (Selentonung 1 Minute) bei 20° in Schalen.

Hier nun die Spanne der erreichbaren Bildtöne. Klick in das Bild führt zu einer vergrößerten Darstellung (JPG, 3000x700, 275kB)

Große Version (275kB)
CA Kalttone
SE6 Blue
keine Tonung

blauschwarz
CA Warmtone
SE6 Blue
Selentonung

neutral, leicht kühl
CA Warmtone
SE6 Blue
keine Tonung

neutral
CA Warmtone
Neutol WA
Selentonung

braunschwarz
CA Warmtone
Neutol WA
keine Tonung

olivschwarz

Ich habe mich bemüht, die Farbe der Prints so ähnlich wie möglich wiederzugeben; Abweichungen durch unterschiedliche Monitoreinstellungen sind aber nicht zu vermeiden. Bild 2 und 3 sehen sich sehr ähnlich, es ist aber tatsächlich ein Unterschied vorhanden.

Trotzdem dürfte aus dieser kleinen Reihe bereits ersichtlich sein, daß man nicht etliche Papiere und Entwickler benötigt, um den Bildton in einem weiten Bereich steuern zu können. Zwei Papiere, zwei Entwickler und ein Selentoner reichen bereits aus. Weitere Nuancen können durch Variation der Konzentration der Entwickler und des vor allem des Selentoners erreicht werden.

Noch einige zusätzliche Anmerkungen:

Das CA Kaltton-Papier reagiert so gut wie gar nicht auf den Selentoner, daher ist die entsprechende Kombination oben nicht enthalten.

CA Kaltton in Neutol WA ergibt so gut wie identische Ergebnisse wie CA Warmtone in SE6 Blue.

Die Classic Arts-Papiere sind, wenn man den Aussagen in diversen Newsgroups und Internet-Foren glauben darf, aus osteuropäischer Produktion und werden auch unter den Labeln von Moersch und Bergger vertrieben. Aus eigener Erfahrung kann ich hierzu nichts sagen.

Welchen Selentoner man nimmt, spielt meiner Meinung nach keine Rolle - die Ergebnisse unterscheiden sich bei gleicher Verdünnung nicht. Man kann also ruhig den preisgünstigsten nehmen.

Dem Additiv "Finisher Blue", von dem Moersch behauptet, daß es in Verbindung mit SE6 noch kühlere Bildtön erzeugt, kann ich nichts abgewinnen. Jedenfalls habe ich noch kein Papier gefunden, bei dem ein Unterschied zu erkennen gewesen wäre.

Ilford Multigrade IV reagiert sehr unwillig auf Tonungen und verschiedene Entwickler. Die Bandbreite der Bildtöne entspricht etwa Bild 3-5, allerdings ist die Ausprägung nicht so deutlich. Es gibt auch Kalttonpapiere von Ilford, diese habe ich aber noch nicht getestet.

Natürlich erhebt dieser kleine Test keinen Anspruch auf Vollständigkeit und soll auch keine Empfehlung für die verwendeten Materialien darstellen; ähnliche oder auch noch ganz andere Ergebnisse sind sicherlich auch mit anderen Produkten zu erreichen.

Ich möchte aber dazu anregen, den Schwarzton bei der Bildgestaltung nicht ganz unberücksichtigt zu lassen; er läßt sich durchaus dazu einsetzen, die Bildaussage zu unterstützen. Einige weitere Bildbeispiele folgen in Kürze.

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Artikelhistorie

2004-03-21
Erste Fassung