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Stolperfalle Kornscharfsteller

Wieso "Stolperfalle"...?

Sind Ihre Negative Ihrer Meinung nach eigentlich rattenscharf, aber fehlt es Ihren Prints an ebendieser Schärfe? Neben anderen Ursachen könnte die Wurzel des Übels an Ihrem Kornscharfsteller liegen. Dem ist nämlich mitnichten grundsätzlich zu trauen ("wer mißt, mißt Mist" ;-) Der Grundsatz lautet ganz einfach:

Bloß weil es im Bild des Kornscharfstellers scharf aussieht, ist es noch lange nicht scharf in der Papierebene.

(Anmerkung: das gleiche gilt kameraseitig für jegliche Art von Mattscheiben: wenn es scharf auf der Mattscheibe ist, dann ist es noch lange nicht scharf in der Filmebene. Auch Mattscheiben, Filmhalter etc. können dejustiert sein. Aber das ist hier nicht unser Thema.)

Der Grund dafür besteht hauptsächlich in der Dioptrienverstellung, welche fast alle Kornscharfsteller besitzen, die nach dem Luftbildprinzip arbeiten, z.B. Ahel Scoponet, Paterson Microscharfeinsteller, Agfa Focus Scope, Peak Kornscharfsteller usw. Sie können die Dioptrieneinstellung vollkommen dejustieren, trotzdem ist es kein Problem, den Vergrößerer so einstellen, daß das Bild im Kornscharfsteller (aber nur da!) knackscharf ist. Aber schauen Sie dann mal auf Ihr Grundbrett...!

Nicht betroffen von diesem Problem sind Scharfeinsteller mit Mattscheibe, z.B. der Kaiser Scharfeinsteller oder der Magnasight von Bestwell. Diese Geräte stellen nicht auf das Korn scharf, sondern sind eigentlich nur eine Art Lupe. Da die Dioptrieneinstellung fehlt, kann hier auch nichts dejustiert werden.

Was ist zu tun?

Aber zurück zu unseren problematischen Luftbild-Kornscharfstellern. Wenn Sie nicht gerade ein 100prozentig auf Ihre Sehstärke kalibriertes Vergleichsgerät haben, dann benötigen Sie ein spezielles Testnegativ, bei dem Sie die Schärfe auch ohne Hilfe korrekt einstellen können. Darauf justieren Sie dann die Dioptrieneinstellung des Kornscharfstellers.

Durchforsten Sie Ihr Negativarchiv nach dem knackigsten, schärfsten und (im Detail) kontrastreichsten Negativ, das Sie finden können. Prüfen Sie die Schärfe im Negativ mit einer guten Lupe auf dem Leuchttisch. Gut geeignet sind z.B. folgende Motive:

Natürlich müssen diese Details im Negativ selbst scharf sein.

Finden Sie kein Negativ, das diese Voraussetzungen erfüllt, dann müssen Sie eins herstellen. Suchen Sie sich ein passendes Motiv (siehe oben) und verwenden Sie alles, was der Schärfe zuträglich ist:

Sollten Sie sich fragen, warum ich diese Punkte anspreche (oder wenn Sie in Ihrem Archiv kein passendes scharfes Negativ gefunden haben), dann möchte ich Ihnen dringendst das Buch Edge of Darkness von Barry Thornton ans Herz liegen. Nach dessen Lektüre wissen Sie, warum all diese Punkte für höchste Bildschärfe erforderlich sind. Durch dieses Buch bin ich übrigens auch auf das hier angesprochene Thema mit den Kornscharfstellern gestoßen.

Haben wir nun unser knackiges detailreiches Negativ, dann ist der Rest vergleichsweise simpel: legen Sie das Negativ in die Bildbühne ein und projezieren Sie es auf ein unbelichtetes, aber fixiertes, gewässertes und getrocknetes Blatt Papier Ihrer Lieblingssorte und Ihres Standardformats. 18x24, besser 24x30 sollte es aber schon sein - in einem briefmarkengroßen Print wirkt (fast) alles scharf, auch wenn es das nicht wirklich ist.

Schalten Sie alle Lichtquellen außer dem Vergrößerer aus und blenden Sie voll auf. Konzentrieren Sie sich auf die kontrastreichen Details und stellen Sie nach bestem Wissen und Gewissen manuell ohne Hilfsmittel scharf.

Dann kommt der Augenblick der Wahrheit: prüfen Sie die manuell eingestellte Schärfe mit Ihrem Kornscharfsteller. Naaa...?

Wenn jetzt auch das Korn schon schön deutlich erkennbar ist, dann hätten Sie sich die Lektüre dieses Artikels ersparen können. Nichtsdestotrotz sollten Sie die Schärfe nochmal leicht verstellen - vielleicht wird das Bild im Kornscharfsteller ja noch schärfer.

Wenn das Korn aber unscharf ist, dann müssen Sie nun an der Dioptrieneinstellung des Kornscharfstellers drehen, bis auch in dessen Bild das Korn so scharf wie möglich erscheint.

Ein einzelner Versuch ist nicht viel wert, also testen Sie am besten mit mehreren Negativen. Stellen Sie abwechselnd manuell oder mit dem Kornscharfsteller scharf und prüfen Sie solange jeweils mit der anderen Methode gegen, bis Sie keine Abweichungen mehr feststellen können. Danach sollten Sie sich bei problematischeren Negativen für die nächste Zeit auf Ihren Scharfsteller verlassen können.

Aber mit der Zeit könnte sich die Dioptrieneinstellung wieder verstellen, also sollten Sie diesen Test ab und an wiederholen. Ihre Prints werden es Ihnen danken - ich kann es aus eigener Erfahrung bestätigen!

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Artikelhistorie

2005-08-23
Erste Fassung