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Probestreifen in Blendenstufen

Die normale Probestreifenmethode

Wie geht man normalerweise beim Erstellen von Probestreifen vor? Man deckt das Fotopapier bis auf einen kleinen Streifen ab, belichtet z.B. 2 Sekunden, deckt einen weiteren kleinen Bereich auf, belichtet wiederum 2 Sekunden usw. Hat man das z.B. sechsmal gemacht, so bekommt man auf seinem Papier einen Probestreifen mit jeweils einem belichteten Bereich von 2, 4, 6, 8, 10 und 12 Sekunden.

Dieses Verfahren kann auf zweierlei Weisen nicht zum gewünschten Ergebnis (nämlich dem Festlegen der passenden Belichtungszeit) führen:

  1. Der letzte Probestreifen (im Beispiel der mit 12 Sekunden) ist immer noch zu hell. D.h. es müssen mehr als 6 Streifen produziert werden, oder die Belichtungseinheit (BE) muß von 2 Sekunden auf z.B. 4 Sekunden erhöht werden.
  2. Der erste Probestreifen (mit 2 Sekunden) ist bereits zu dunkel, oder der passende Bereich liegt zwischen dem ersten und zweiten Streifen. Um den gewünschten Bereich genauer einkreisen zu können, ist eine weitere Belichtungsreihe mit kürzerer BE (z.B. 1 Sekunde) erforderlich,

Selbst wenn Probestreifen eine passende Belichtungszeit enthält, stellt sich immer noch folgendes Problem:

  1. Vergleichen Sie Streifen 1 und Streifen 2. Streifen 2 hat mit 4 Sekunden eine doppelt so lange Belichtungszeit (Faktor 2) wie Streifen 1, der Unterschied beträgt also eine Blendenstufe.
  2. Vergleichen Sie Streifen 5 und Streifen 6. Streifen 6 hat mit 12 Sekunden eine um den Faktor 1,2 längere Belichtungszeit als Streifen 5, das entspricht nur knapp einer viertel Blendenstufe!

Der Dichteunterschied zwischen zwei aufeinanderfolgenden Streifen wird also immer geringer, je mehr Streifen auf ein Stück Papier belichtet werden. Außerdem entspricht der Dichtezuwachs nicht dem gewohnten Denken in Blendenstufen. Aber es gibt Abhilfe!

Logarithmische Belichtung

Das Ziel ist es nun, einen Probestreifen zu erzeugen, bei dem jeder Streifen die doppelte bzw. halbe Belichtungszeit des benachtbarten Streifens erhält. Damit entspricht der Dichtezuwachs von einem Streifen zum nächsten immer genau eine Blende.

Wie genau muß man vorgehen?

  1. Legen Sie die Belichtungseinheit (BE) fest, z.B. zwei Sekunden.
  2. Decken Sie vier Fünftel des Fotopapiers ab und belichten Sie 16mal mit je einer BE
  3. Decken Sie ein weiteres Fünftel ab, und belichten Sie mit 8 BE.
  4. Decken Sie ein weiteres Fünftel ab, und belichten Sie mit 4 BE.
  5. Decken Sie ein weiteres Fünftel ab, und belichten Sie mit 2 BE.
  6. Legen Sie das gesamte Papier frei, und belichten Sie mit nochmal 2 BE.

Auch wenn Ihnen das Verfahren zunächst merkwürdig erscheint - prüfen Sie bitte, welche Belichtungszeit (in BE) jeder Streifen nun insgesamt bekommen hat:

1. Streifen:2 + 2 + 4 + 8 + 16=32
2. Streifen:2 + 2 + 4 + 8 =16
3. Streifen:2 + 2 + 4 = 8
4. Streifen:2 + 2 = 4
5. Streifen:2 = 2

Bingo! Genau das, was wir haben wollten - durch die "geschickte" Wahl der Einzelbelichtungen haben wir einen Probestreifen in Abstufungen von genau einer Blende über einen Bereich von 5 Blendenstufen erzeugt. Nach der klassischen Methode hätten Sie nicht 5, sondern 32 Streifen benötigt, wobei am dunklen Ende kaum noch Unterschiede festzustellen gewesen wären.

Wie geht es weiter?

Paßt der Belichtungsumfang nicht, so können Sie jederzeit die Belichtungseinheit (im Beispiel 2 Sekunden) verkürzen oder verlängern - die Anzahl der einzelnen Teilbelichtungen bleibt immer gleich.

Natürlich können Sie auch nur vier Streifen produzieren, die Anzahl der Teilbelichtungen beträgt dann 8/4/2/2. Bei sechs Schritten wären es 32/16/8/4/2/2. Ich hoffe, Sie haben das Prinzip erkannt: aus der Reihe

..., 256, 128, 64, 32, 16, 8, 4, 2, 2

nehmen Sie von rechts her soviele Schritte, wie Sie Blendenstufen darstellen wollen.

Liegt die korrekte Belichtung irgendwo zwischen zwei Streifen, z.B. zwischen "8" und "16", dann müssen Sie nicht etwa mit "12" (arithmetisches Mittel) belichten, sondern mit "11" (geometrisches Mittel). Kommen Ihnen die Zahlen 8, 11, 16 irgendwie bekannt vor...? Klar, das ist ein Teil der internationalen Blendenreihe und sollte auf jedem (älteren) Objektiv aufgedruckt sein.

Hinweis: bei der objektivseitigen Blendenreihe bedeutet allerdings die Reduzierung um den Faktor 1,41 (Wurzel aus 2) die Änderung der Belichtung auf das Doppelte, während hier bei den Probestreifen der Faktor 2 eine doppelte Lichtmenge bedeutet. Das liegt daran, daß der Objektiv-Blendenwert eine lineare Größe ist (Verhältnis von Brennweite zu Eintrittsöffnung) und dieser in Bezug auf die Fläche quadriert werden muß.

Kennen Sie Ihre Negative und Ihr Papier und wissen Sie bereits in etwa, wo die Belichtungzeit liegen wird, dann sind Sie mit der klassischen Methode wahrscheinlich besser bedient, da Sie bereits feinere Abstufen um die korrekte Zeit herum erhalten werden. Arbeiten Sie aber mit unbekannten Negativen bzw. Papieren, dann kommen Sie mit der Blendenstufenmethode wesentlich schneller zu Ihrer Belichtungszeit.

Eine Illustration des Effektes mit Bildern folgt in Kürze.

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Artikelhistorie

2005-05-28
Erste Fassung