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Chemische Rezepte

Achtung! Auch wenn Fotochemikalien nicht direkt lebensgefährlich sind, ist dennoch Vorsicht geboten. Schutzkleidung, Handschuhe und Brille sind Pflicht, vor allem beim Umgang mit Säuren. Grundkenntnisse im Umgang mit Rohchemikalien werden vorausgesetzt. Alle hier vorgestellten Rezepte wurden von mir ausprobiert; nichtsdestotrotz geschieht die Benutzung dieser Rezepturen auf eigene Gefahr, ich gebe keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben!

Übersicht

Negativ-Entwickler

Barry Thorntons Zweibadentwickler

Positiv-Entwickler

Brenzkatechin-Entwickler

Toner

Hinweise zum Tonen
Somervilles Zweibad-Blautoner
Sepia-Toner - geruchlos

Sonstiges

Farmerscher Abschwächer - Variante 1
Farmerscher Abschwächer - Variante 2

Negativ-Entwickler

Barry Thorntons Zweibadentwickler

Bad A
  • 750 ml Wasser, 40-50°
  • 6,5 g Metol
  • 80 g Natriumsulfit
  • Wasser zum Auffüllen auf 1 Liter
Bad B
  • 750 ml Wasser, 40-50°
  • 12 g Natriummetaborat (Kodalk)
  • Wasser zum Auffüllen auf 1 Liter

Entwicklungszeit:
Bad A: 4min (KB, MF); 5min (GF), Kipprhythmus: 30sec zu Beginn, dann 3x alle 30sec
Bad B: 4min (KB, MF); 5min (GF), Kipprhythmus: 1x alle 60sec
Keine Zwischenwässerung zwischen Bad A und Bad B!

Der Anteil an Natriummetaborat in Bad B kann auf bis zu 7 g reduziert (für hohen Motivkontrast) bzw. bis auf 20g erhöht werden (für geringen Motivkontrast). Hiermit ist eine Art Zonensystem möglich, indem drei verschiedene Bäder B bevorratet werden.

Pro Liter Arbeitslösung (Bad A und Bad B) können ca. 15 Kleinbildfilme entwickelt werden.

Quelle: Barry Thornton, "Edge Of Darkness"

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Positiv-Entwickler

Brenzkatechin-Entwickler

Brenzkatechin (1,2-Dihydroxybenzol, engl.: (pyro-) catechin oder "pyrocat") ist eigentlich eher als Entwicklersubstanz für Negativentwickler bekannt, z.B. als Hauptbestandteil in Walter Moersch' "Tanol" oder Gordon Hutchings' "Pyrocat-HD". Dieser Stoff hat die Eigenschaft, die Gelatine zu gerben ("tanning") und zu färben ("staining"). Was bei Negativentwicklern gut ist, kann für Papier nicht schlecht sein, also hier das Rezept:

  • 750 ml Wasser, 40-50°
  • 2 g Foto-Calgon (Fotoplex 3)
  • 10 g Natriumcarbonat sicc. (Soda)
  • 2 g Brenzkatechin
  • Wasser zum Auffüllen auf 1 Liter

Dieser Entwickler ist leider schlecht haltbar, da er kein Natriumsulfit enthält. Daher ist es besser, sich jeweils zehnprozentige Lösungen der drei Bestandteile herzustellen und diese kurz vor Gebrauch zum Entwickler zusammenzufügen:

  • 20 ml 10%ige Foto-Calgon-Lösung
  • 100 ml 10%ige Soda-Lösung
  • 20 ml 10%ige Brenzkatechin-Lösung
  • auffüllen auf 1000 ml Wasser

Die Entwicklungszeiten liegen für PE-Papier bei ca. 90-120 Sekunden, für Barytpapier bei 3-4 Minuten und mehr. Dabei bildet sich der typische Pyro-Farbton, ein warmes Braun, wie in der linken Bildhälfte zu sehen:

Bildbeispiel Brenzkatechin-Entwickler

Die rechte Bildhälfte wurde bei gleicher Belichtung (PE-Papier) in Agfa Neutol WA entwickelt, welcher an sich schon ein Warmtonentwickler ist. Man beachte den Unterschied!

Bei manchen Barytpapieren fällt die Braunfärbung noch deutlicher aus, so daß man sich mit diesem Entwickler schon fast die Sepia-/Brauntonung schenken kann.

Dieser Entwickler arbeitet weicher als viele Standard-Rezepturen, so daß er auch zur "Rettung" zu harter Negative gut geeignet ist.

Quelle: Udo Raffay, "Sammlung fotografischer Rezepte"

Toner

Hinweise zum Tonen

Farbige Tonungen sollten stets sparsam und mit Bedacht eingesetzt werden und keinesfalls zum Standard der Verarbeitungskette werden. Tonungen nur um des Effektes willen machen aus einem mittelmäßigen Print keinesfalls ein museumsreifes Ausstellungsstück. Die Färbung sollte stets die Bildwirkung unterstützen.

Eine Ausnahme hiervon bildet der Selentoner, der bei kurzen Einwirkungszeiten keine farbigen Effekte hervorbringt, sondern in der Regel nur die Maximalschwärzung etwas anhebt. Selentoner können auch gut dazu verwendet werden, den oliv-grünlichen Bildton mancher Papiere in ein Neutralschwarz zu verwandeln. Nur bei sehr langen Tonungszeiten zeigt der Selentoner ebenfalls eine farbliche Wirkung ins aubergine-violette, aber auch das nur bei wenigen Papiersorten.

Ein getonter Print zeigt schonungslos jeden Verarbeitungsfehler auf, den man sonst vielleicht nicht bemerken würde. Insbesondere unzureichende Bewegung (in allen Bädern vom Entwickler bis zum Toner) führt zu Flecken und/oder gerichteten Streifen.

Somervilles Zweibad-Blautoner

Bleichbad
  • 20 g Kaliumferricyanid (rotes Blutlaugensalz)
  • 100 ml Ammoniaklösung (10%ige Konzentration)
  • 1000 ml Wasser
Toner
  • 20 g Eisensulfat
  • 100 ml Salzsäure (10%ige Konzentration)
  • 1000 ml Wasser

Im Gegensatz zu kommerziellen Blautonern sind hier Bleichbad und und Tonerbad getrennt. Je nach Dauer des Bleichvorgangs werden zarte blaugraue Tonungen erreicht:

Bildbeispiel Blautoner

Der nasse getonte Abzug sieht blau-grün oder türkis aus, beim Trocknen entwickelt sich aber der im Bildbeispiel gezeigte Farbton.

Das oben genannte Bleichbad ist ziemlich stark, je nach Papier und gewünschter Stärke der Tonung ist die notwendige Bleichung bereits nach 10-30 sec erreicht. Wem dies zu schnell ist, der kann das Bleichbad auch weiter verdünnen.

Der Abzug muß gegenüber der ungetonten Variante um ca. 30% überbelichtet werden, da durch das Bleichbad die ursprüngliche Dichte reduziert wird.

Die Vergrößerung muß nach dem Bleichen und vor dem Tonen gründlichst gewässert werden. Andernfalls sorgen auch geringste Rückstände des Bleichbads für leuchtendblaue Ausfällungen, die nicht mehr zu entfernen sind.

Werden die Lösungen nicht kontaminiert, so können sie aufbewahrt und bis zur Erschöpfung wiederverwendet werden.

Quelle: Larry Bartlett/Jon Tarrant, "Workshop Schwarzweiß-Printing"

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Sepiatoner - geruchlos

Bleichbad
  • 100 g Kaliumferricyanid (rotes Blutlaugensalz)
  • 100 g Kaliumbromid
  • 1000 ml Wasser
Lösung A
  • 100 g Thioharnstoff
  • 1000 ml Wasser
Lösung B
  • 100 g Natriumhydroxid (Ätznatron)
  • 1000 ml Wasser

Das Bleichbad muß in einer undurchsichtigen Flasche aufbewahrt werden und kann solange wiederverwendet werden, bis es keine Wirkung mehr zeigt. Es wird solange gebleicht, bis die gewünschte Dichteverringerung erreicht ist. Danach muß gewässert werden, bis die gelbliche Färbung verschwunden und der Papierträger wieder weiß ist. Anschließend wird wie folgt getont:

Gelbtonung: 5 Teile Lösung A + 1 Teil Lösung B + 50 Teile Wasser

Brauntonung: 1 Teil Lösung A + 5 Teile Lösung B + 50 Teile Wasser

Für dazwischenliegende Töne kann der Mischungsanteil variiert werden.

Quelle: Larry Bartlett/Jon Tarrant, "Workshop Schwarzweiß-Printing"

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Sonstiges

Farmscher Abschwächer - Variante 1

Lösung A
  • 100 g Natriumthiosulfat (Fixiernatron)
  • 1000 ml Wasser
Lösung B
  • 100 g Kaliumferricyanid (rotes Blutlaugensalz)
  • 1000 ml Wasser

Farmscher Abschwächer wird u.a. benutzt, um Vergrößerungen partiell aufzuhellen. Die Wirkung ist nicht umkehrbar!

Direkt vor Gebrauch werden fünf Teile der Lösung A mit einem Teil der Lösung B gemischt und das Gesamtvolumen durch Auffüllen mit Wasser verdoppelt. Diese Arbeitslösung hat nur eine Haltbarkeit von wenigen Minuten; die einzelnen Stammlösungen sind aber gut haltbar.

Quelle: Larry Bartlett/Jon Tarrant, "Workshop Schwarzweiß-Printing"

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Farmerscher Abschwächer - Variante 2

Einzelne Bildpartien können auch direkt mit Lösung B (s.o.) gebleicht werden. Allerdings ist die 10%ige Kaliumferricyanid-Lösung dafür zu stark - der Bleichvorgang geht zu schnell vonstatten und läßt sich kaum kontrollieren. Daher wird folgende Arbeitslösung angesetzt:

  • 5 ml Lösung B aus Variante 1
  • 300 ml warmes Wasser
  • 50 ml normale Fixierer-Arbeitslösung

Zunächst wird die Vergrößerung fixiert, aber nur zu etwa 50% der normalen Zeit, und danach für etwa 10 Minuten in eine Schale mit Wasser gelegt. Anschließend wird der Abzug auf eine Glasplatte aufgebracht. Nun kann die Arbeitslösung gemischt werden - die Haltbarkeit ist sehr kurz! Das überschüssige Wasser auf dem Abzug wird mit einem Schwamm oder einem Scheibenwischerblatt entfernt, damit die Bleichlösung sich nicht ausbreiten kann. In einer weiteren Schale wird normale Fixier-Arbeitslösung bereitgestellt.

Nun kann der Abschwächer - je nach Größe der zu behandelnden Fläche - mit einem Pinsel oder einem Wattestäbchen aufgebracht werden. Sollte der Vorgang außer Kontrolle geraten, so kann er mit einem in Fixierer getränkten Wattebausch jederzeit gestoppt werden. So kann man durch abwechselndes Auftragen des Abschwächers (nie länger als 10 Sekunden, sonst gibt's Flecken!) und des Fixierers eine kontrollierte Dichtereduzierung erreichen.

Stellt man nach dem ersten Auftragen des Abschwächers bereits eine Wirkung fest, so ist die Arbeitslösung zu stark und sollte noch weiter verdünnt werden. Eine Wirkung sollte sich erst nach etwa dreimaliger Anwendung von Abschwächer und Fixierer zeigen.

Der Bleichvorgang kann auch in einer Schale mit Wasser gestoppt werden, dann muß die Vergrößerung aber nach jeweils drei Anwendungen des Abschwächers in Fixierer gelegt werden.

Quelle: Les McLean, "Creative Black & White Photography"

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Artikelhistorie

2005-06-30
Hinzugefügt: Brenzkatechin-Positiventwickler
2005-06-26
Allgemeine Hinweise zum Tonen; Ergänzungen und Bildbeispiel zum Somerville-Blautoner
2004-04-13
Erste Fassung